1954: An den Bau der Stadthalle werden große Erwartungen geknüpft. Sie soll der Jugend ein Treffpunkt sein und im Saal sollen  gut 1.000 Personen das Tanzbein schwingen können. Das politische Motto “Think big!” wird sich lohnen. Die Stadthalle etabliert sich als Ort des Feierns und Tagens, als Sport- und Ausstellungstätte. Dank Kegelbahn, Gastronomie und großem Saal wird sie zum Anziehungspunkt der Region. Vor allem hochwertige Musikveranstaltungen und sportliche Wettkämpfe von nationalem und internationalem Rang finden statt, aber auch politische Veranstaltungen und Tanzabende - mit teilweise bis zu 1.200 Besuchern. In den 60er und 70er Jahren, als vergleichbar große und multifunktionale Räumlichkeiten erst nach und nach entstanden, trug die Stadthalle ihren Anteil zur Entwicklung von Burgkunstadt bei. Letztlich war es dem politischen Mut des Bürgermeisters Räthlein und seines Stadtrates zu verdanken, dass sich Burgkunstadt durch seine Stadthalle vielseitig interessiert, kulturell agil und sportlich aktiv zeigen konnte.

60 Jahre später: Kulturveranstaltungen finden nun meist in der sanierten Vogtei statt. Hauptschauplatz sportlicher Wettkämpfe ist die im Jahr 1986 erbaute Obermainhalle geworden. Die Bundesbahn hat ihre “Fahrten ins Blaue”, die mit Feiern in der Stadthalle endeten, eingestellt. Das Restaurant der Stadthalle steht leer. Regelmäßig genutzt wird die Halle noch von der Grundschule und einigen Sportvereinen. Auch private Feiern finden immer wieder statt - von festlichen Bällen und Großveranstaltungen mit über 1.000 Besuchern kann jedoch schon lange keine Rede mehr sein. Ideen werden gesucht, wie es mit der Stadthalle weitergehen soll.

Dezember 2015: Der Stadtrat Burgkunstadt diskutiert wegen Mängeln beim Brandschutz in einer Sondersitzung offen über den möglichen Abriss. Das Ergebnis dieser und folgender Sitzungen ist die Beauftragung eines Gesamtkonzeptes für den Schulberg, der auch die Stadthalle als Veranstaltungs- und Sportstätte einbezieht - ohne die Vorgabe, die Halle um jeden Preis zu erhalten.

Februar 2018: Beim Ideenwettbewerb der Stadt Burgkunstadt setzt sich ein Architekten-Konzept durch, das den Abriss der Stadthalle vorsieht, gleichzeitig den Neubau einer Mehrzweckhalle. Diese soll - genau wie ihre Vorgängerin in den 50er Jahren - an den Bedürfnissen der Stadt und der Nutzerinnen und Nutzer ausgerichtet sein. Eine Sportstätte für die Friedrich-Baur-Grundschule und die Vereine soll sie werden, aber auch Ort kultureller Begegnungen. Eine Gastronomie ist wieder angedacht.

“Think big!”, dieses Motto soll auch nun wieder gelten - allerdings im übertragenen Sinne. Nicht auf die schiere Größe des Gebäudes kommt es, auch nicht auf die maximale Zahl von Gästen, die man im Saal unterbringen kann. Entscheidend ist vielmehr, dass sich Burgkunstadt zutraut, ein Gebäude zu errichten, das in unsere Zukunft zeigt. Dazu gehört eine Halle, die klein, aber hervorragend ausgestattet ist. Energieeffizient sollte sie sein, damit sich die Energiekosten von der Stadt tragen lassen. Behinderte und nicht behinderte Menschen sollen sich hier zu Hause fühlen, wofür die neue Stadthalle barrierefrei sein muss. Die Grundschulkinder sollen vormittags toben, während am Abend VHS-Kurse und Vereinsversammlungen stattfinden können.

Mit der gleichen Begeisterung, mit der im Jahr 1956 die Bürgerinnen und Bürger “ihre” Stadthalle in Besitz genommen haben, sollten auch wir dies tun, wenn irgendwann in den nächsten Jahren “unsere” Halle feierlich eröffnet wird. Diese Halle kann unser Stadtbild im übertragenen Sinne genauso prägen, wie die jetzige zu ihrer Zeit - als moderner Ort des Zusammenseins unterschiedlichster Menschen, die in Burgkunstadt gern Zeit miteinander verbringen möchten.