WAS HABEN DIE ANGLER BZW. SPORTFISCHER MIT DEM ARTENSTERBEN ZU TUN?

Das Wort Sportfischer mag ich nicht; Angeln hat nichts mit Sport zu tun. Es soll einzig und allein der Nahrungsbeschaffung der Menschen dienen - so war es schon zu Urzeiten. Unsere Vorfahren waren begeisterte Jäger, Sammler und auch Fischer.Das Artensterben der Insekten hat dramatische Auswirkungen für die Nahrung unserer Fische in Flüssen und Seen. Die wichtigste Nahrung für unsere Fließwasserfische bilden Insekten. Sie sind Anflugnahrung, die entweder ins Wasser fällt, sich zur Eiablage ans Wasser begibt oder so knapp über der Wasseroberfläche fliegt, dass sie von Fischen im Sprung erhascht werden kann. Die zweite Nahrungsgruppe bilden haupt-sächlich die Larven der Stein-, Köcher- und Eintagsfliegen sowie verschiedene Mücken. Vor allem Salmoniden (forellenartige Fische), wie die Äsche oder die Bachforelle,  finden  immer weniger bis fast keine natürliche Nahrung mehr - sie bleiben klein oder verhungern!

WIE WIRKT SICH DER KLIMAWANDEL AUF DIE GEWÄSSER UND DAMIT AUF DIE FISCHE AUS?

Der vom Menschen verursachte Treibhauseffekt, auch Klimawandel genannt, wird unsere Bäche, Flüsse und Seen in den nächsten Jahren verändern. Neue Abflussverhältnisse und höhere Wassertemperaturen wie im vergangenen Jahr sind erste direkte Folgen. Alle Fließgewässer werden verstärkt durch immer häufiger auftretende Extremereignisse (Hochwasser, Austrocknung) beeinflusst. Kälteliebende Fische werden durch klimabedingte Gewässererwärmung verschwinden. Hierzu gehören z.B. die Bachforelle und die Äsche. Beide Arten wird es im Main ab Kulmbach flussabwärts in naher Zukunft nicht mehr geben.Regenbogenforellen zum Beispiel mögen wärmere Temperaturen gar nicht. „Schon bei Wassertemperaturen von 20 oder 21 Grad fressen sie weniger“, sagt Andreas Müller-Belecke vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam. Bei 23 Grad treten Regenbogenforellen völlig in den Hungerstreik. Und ab 2 4 Grad wird es für sie lebensgefährlich.Ein weiteres Problem ist der Sauerstoffgehalt des Wassers. Je wärmer das Wasser wird, desto weniger nimmt es Sauerstoff auf. Wie verhalten sich also die Fische? Sie weichen nach ganz oben aus. An der Wasseroberfläche gibt es reichlich Sauerstoff. Werner Kloas, Leiter der Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur am Leibniz-Institut in Berlin erklärt, was dies aber bedeutet: „Die Fische filtern sehr viel mehr Wasser durch ihre Kiemen, um so an mehr Sauerstoff zu gelangen und dadurch haben sie Stress und der wird immer größer, je weniger Sauerstoff sie haben. Und je mehr sie sich bewegen, umso mehr Sauerstoff brauchen sie. Ein Teufelskreis - denn letztlich läuft der Kreislauf der Fische auf Hochtouren und braucht immens viel Energie und die können sie nur erzeugen, wenn sie viel fressen. Doch Futter ist an der Oberfläche durch das Insektensterben Mangelware.“ Fische verhungern.

WAS HABEN KLÄRANLAGEN MIT INSEKTEN UND FISCHEN ZU TUN?

Durch die gesetzlich vorgeschriebene dritte Klärstufe der Klär-anlagen, die sogenannte Phosphatfällung, werden mittels eines chemischen Prozesses bis zu 98 Prozent des Minerals Phosphat aus dem Abwasser entfernt. Der Phosphatgehalt im Wasser wird immer geringer.Phosphat ist ein natürliches Mineral, ohne das kein pflanzliches oder menschliches Leben möglich ist. Es ermöglicht das Wachstum von Algen, von denen das Zooplankton, meistens Wasserflöhe und Hüpferlinge, leben. Diese kleinen Tierchen sind aber die Hauptnahrung der Fische. Ohne sie verhungert die Fischbrut. Dieser Prozess wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken, hauptsächlich an Fließgewässern und großen Seen mit Ringleitungen zu den Kläranlagen. Allerdings trifft dies für unsere künstlich durch Kiesaushub entstandenen heimischen Baggerseen, welche viel zu nährstoffreich sind, nicht zu.

WERDEN HORMONE, MEDIKAMENTE UND WEICHMACHER DURCH KLÄRANLAGEN ENTFERNT?

Zu dieser Frage hat das Umweltbundesamt (UBA) Gutachten vorgelegt. Was viel Aufregung verursacht hat, sind Stoffe, die ins Hormonsystem von Lebewesen eingreifen können. Die Rückstän-de der Anti-Babypille und ähnlich hormonartig wirkender Substanzen gelangen in die Kläranlagen. Sie kommen von dort aus in die Flüsse und Seen, weil sie von den Kläranlagen nicht beseitigt wer-den können. Diese Hormonrückstände beeinflussen nachweislich die Fortpflanzung von Fischen. Problematisch sind auch Röntgenkontrastmittel. Häufig landen im Privathaushalt Tropfen und Tabletten mit abgelaufener Haltbarkeit oder weil ihr Beipackzettel gelesen wurde, in der Toilette.Bei unseren Nachbarn sieht es ähn-lich aus. Das Umweltbundesamt Wien hat in den großen Flüssen Rückstände von ausgewählten Arzneimitteln, künstlichen Süßstoffen und PVC-Weichmachern gefunden. Zwar sind die gefundenen Mengen angeblich für den Menschen ungefährlich, jedoch belasten sie unser empfindliches Ökosystem. Auch wird dieser Substanzencocktail von Fischereiverbänden in Österreich mit fatalen Fischkrankheiten in Zusammenhang gebracht.Uns Menschen muss klar sein: Wir essen die Fische! Höchste Zeit also, sich Gedanken zu machen.